Erste Täufer in der Herrlichkeit Gödens und das Lutherjahr in Neustadtgödens

Die Sonderausstellung Radikal angepasst - Erste Täufer in der Herrlichkeit Gödens

Die Ausstellung versucht, den Fragen nachzugehen, wie es möglich war, dass sich die vom Kaiser Karl V. geächteten Täufer überhaupt in Gödens ansiedeln konnten, wie sie es schafften, Einfluss auf die Regierungsgeschäfte zu nehmen und wie es kam, dass sie ihre radikal-religiöse Ideologie zu Gunsten der gemäßigten reformierten Glaubensrichtung aufgaben.

Anhand von Beispielen werden die Lebenswege dieser Männer teilweise nachgezeichnet und aufgezeigt. Dabei wird klar, dass die Herrlichkeit Gödens nicht zufällig gewählt wurde.

Ihre Abgeschiedenheit aber auch die Offenheit der Herrlichkeitsbesitzer verhalf ihnen hier zu einem friedvollen Leben. Ihre persönliche Haltung zeigt eindrucksvoll die vielseitigen Formen der reformatorischen Bewegung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ihre Ansiedlung begründete zudemden Ruf der Herrlichkeit Gödens, in religiösen Fragen besonders tolerant zu sein.

Reformation in Ostfriesland

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers, die er der Überlieferung nach an das Portal der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Die sich daraufhin rasch ausbreitende Reformation traf auch in Ostfriesland auf fruchtbaren Boden und der Protestantismus wurde schnell zum bestimmenden Bekenntnis des Landes.


Anders als in anderen Territorien des deutschen Reiches kam es jedoch nicht zu einer einheitlichen Kirchenordnung.

Somit wurde Ostfriesland zu einem Rückzugsgebiet von reformatorischen Gruppierungen, die andernorts rücksichtslos verfolgt wurden.

Unter ihnen befanden sich auch die Täufer, die seit 1537 in der Herrlichkeit Gödens belegt sind. Die Aufnahme und der Werdegang dieser ersten Exilanten in Gödens zeichnen die Schwierigkeiten einer genauen Positionierung innerhalb der durch Luther ausgelösten reformatorischen Neuordnung nach.

Kostümführung "Täufer in der Herrlichkeit Gödens"

Hinrich Krechting, ehedem Kanzler im Täuferreich zu Münster und prominentester Flüchtling in der Herrlichkeit Gödens, führt in die Mitte des 16. Jahrhunderts durch das gerade entstehende Neustadtgödens.

Kaum hier in der Herrlichkeit angekommen, beauftragen ihn die Häuptlinge von Gödens mit der Kontrolle der Bauarbeiten im Ort. Dabei zeigt er neben den historischen Schauplätzen auch tiefere Einblicke in sein Seelenleben.
Der noch kurz zuvor als einer der wichtigsten Täuferführer bekannte Krechting verbringt hier sein Leben als reformierter Armenvorsteher.

Echter Sinneswandel oder nur bürgerliche Fassade hinter einem immer noch revolutionärem Welt- und Gottesbild?

Erfahren Sie bei einer gebuchten oder offenen Gästeführung durch den historischen Ortskern alles Wissenswerte über den Ort
Neustadtgödens mit seiner einmaligen Religionsgeschichte.

Weitere Gästeführungen durch den Ort Neustadtgödens finden Sie hier!

Vortragsveranstaltungen zum Lutherjahr

Martin Luther und die Juden

am Mittwoch, 17. Mai ab 19.00 Uhr in der ev.-luth. Kirche Neustadtgödens

Seine Judenfeindschaft und ihre Folgen
 

Martin Luther und seine Theologie haben einen – bis in die Gegenwart hinein prägenden – Einfluss. Seine wüsten Ausfälle gegen Juden und Judentum wurden in der jüngsten Vergangenheit oftmals beschönigt.Der Vortrag zeigt die Judenfeindschaft Martin Luthers an Hand konkreter Beispiele und beschreibt Aspekte seiner Wirkungsgeschichte in den nachfolgenden Jahrhunderten. Je nach Bedarf beriefen sich ChristInnen und auf seine judenfeindlichen Aussagen. Insbesondere im Nationalsozialismus wurde oftmals auf sie verwiesen.
In den vergangenen Jahren begann – sowohl in den Kirchen, wie auch an den Universitäten – eine intensive Debatte hierüber statt.
 
Prof. Dr. Ursula Rudnick ist Beauftragte für das christlich-jüdische Gespräch der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Studienleiterin des Vereins Begegnung-Christen und Juden. Niedersachsen e.V. Sie lehrt an der Leibniz-Universität Hannover und ist seit vielen Jahren im christlich-jüdischen Dialog aktiv.

Begleitet wird die Referentin musikalisch durch Frau Ursula Ruperti.

Eintritt frei!

 

Luther - mal katholisch 

am Mittwoch, 07. Juni ab 19.00 Uhr in der ev.-luth. Kirche Neustadtgödens

mit Domkapitular Molitor

Im Jahre 2017 werden genau 500 Jahre vergangen sein, seit Martin Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel verfasste und damit große Veränderungen in der Kirche und in der Gesellschaft auslöste. Erstmals in der Geschichte wird demnächst ein "Reformationsjubiläum" auch ökumenisch begangen werden. Reinhard Molitor geht als  katholischer Seelsorger und Ökumenebeauftragter des Bistums Osnabrück der Frage nach, was der Wittenberger Theologe für seine Kirche bedeutet und welche Folgerungen heute daraus zu ziehen sind.

Musikliasch wird der Referent durch die Gruppe Duo Acoustic Colours begleitet.

Eintritt frei!

Martin Luther und Johannes Calvin

am Mittwoch, 21. Juni ab 19.00 Uhr in der ev.-luth. Kirche Neustadtgödens

mit Referent Pastor Alfred Mengel

„Ich bin Luthers Schüler, nicht Luthers Affe.“ So umschreibt Calvin (1509 – 1564) seine Beziehung zu Luther (1483 – 1546). Er ist ein dankbarer Schüler. Darum besteht eine hohe Übereinstimmung mit Luther.

Doch setzt Calvin auch eigene Akzente. Diese sollen herausgestellt und auf ihre Aktualität befragt werden.

Dabei werden bedacht das Verständnis von Gemeinde, Gottesdienst und Abendmahl, eine interessante Weltsicht und schließlich die ermutigende Hoffnung.

Musikalisch wird der Referent durch Herrn Uwe Mahnken begleitet.

Eintritt frei!

 

 

Luther und die Täufer

am Mittwoch, 13. September ab 19.00 Uhr in der ev.-luth. Kirche Neustadtgödens

mit Referent Pastor Edwin de Jong

Luther und die Täufer - das war keine Liebe auf den ersten Blick! Obwohl sie sich beide einsetzten für eine Erneuerung der Kirche, wählten die Täufer dazu ganz andere Mittel und Wege als die klassischen Reformatoren. Leider haben nicht alle Täufer, die an ihre Überzeugung festhielten, diese Zeit überlebt. Was waren die wesentlichen Unterschiede zwischen Luther und den Täufern? Und wieso gab es überhaupt solche Spannungen und solchen Streit zwischen zwei Gruppierungen die sich doch darin einig waren, dass die mittelalterliche Kirche sich auf einem Irrweg befand? Nachdem die Täufer und die Lutheraner sich jahrhundertelang mit Argwohn beobachtet haben, gab es schließlich in 2010 eine öffentliche Versöhnung zwischen dem Lutherischen Weltbund und den Nachfahren der Täufer, die Mennoniten. In diesem Vortrag geht es um die geschichtlichen Differenzen zwischen zwei unterschiedlichen reformatorischen Strömungen. Aber diese Geschichte des Getrennt-seins ist auch eine Geschichte der Versöhnung. Und gerade der Aspekt der Versöhnung, so wichtig in der Theologie Luthers, gibt uns vielleicht Hoffnung für die Zukunft der Kirche.

Musikalisch wird der Referent durch das Duo Tam Lin begleitet.

Eintritt frei!

Grußwort des Schirmherrn, Herrn Landessuperintendenten Dr. Klahr

Zum 500. Mal jährt sich in diesem Jahr die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen zu Ablass und Buße. Zu Recht bedenken und feiern wir das, denn die Reformation hat nicht nur für die Kirche eine verändernde Bedeutung gehabt, sondern auch für die Gesellschaft, den Staat und die Kultur insgesamt.

Die Stellung des Einzelnen vor Gott, seine Gewissensfreiheit, das Verständnis von Bildung, Musik, sozialer Verantwortung, Beruf und Arbeit sind durch die Reformation entscheidend mitgeprägt worden.

Früh hat die Reformation in der Region um Gödens Aufnahme gefunden und sich in einer besonderen Vielfalt ausgestaltet. Die religiöse Toleranz und das Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften dürfen als vorbildlich bezeichnet werden. Vielfalt ist keine Einschränkung, sondern ein Reichtum. Gegenseitiger Respekt und friedliches Miteinander können nicht hoch genug geachtet werden!

Die Ausstellung lässt einen besonderen Aspekt dieser Vielfalt sichtbar werden und möchte junge Menschen mit der Geschichte der Reformation vertraut machen. Die Kooperation zwischen politischer Gemeinde Sande, dem Museum im Landrichterhaus und der Evangelisch-lutherischen
Kirchengemeinde Gödens macht dies möglich.

Ich freue mich über diesen besonderen Beitrag zum Jubiläumsjahr der Reformation in unserer Region und wünsche der Ausstellung und ihrem Begleitprogramm viele interessierte Besucherinnen und Besucher.

Flyer zum Themenjahr und zur Sonderausstellung zum Download!