Die Synagoge von Neustadtgödens ... ein Erinnerungsort

Die Jüdische Gemeinde von Neustadtgödens

 

Die Synagoge von Neustadtgödens (erbaut 1852) gehört zu den wenigen jüdischen Gotteshäusern in Deutschland, die im äußeren Baubestand erhalten geblieben sind. Durch verschiedene Umstände fiel sie nicht wie andernorts den Zerstörungen in der Pogromnacht von 1938 zum Opfer. Nach vielen Umbauten, Renovierungen und den unterschiedlichsten Nutzungen kann nun das Erdgeschoss nach und nach als Informationsstätte eingerichtet und damit zu einem Baustein der Erinnerung an jüdisches Leben und Kultur in Friesland werden.

Aufgrund der stark wachsenden jüdischen Gemeinde, die Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu einem Viertel der Einwohner von Neustadtgödens ausmachte, wurde 1852/53 der Neubau einer Synagoge umgesetzt.  Diese zeugt in ihrer Gestaltung von dem wachsenden Selbstbewusstsein und der Blüte der jüdischen Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vorbild für den Bau im so genannten "Rundbogenstil" war ein Entwurf für kleine Stadtkirchen von Karl Friedrich Schinkel.

 

Durch den Ausbau Wilhelmshavens und die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft in dieser Region verlor die jüdische Gemeinde ab 1900 immer mehr Mitglieder. Als dann ab 1933 die Repressalien gegen die Gemeinde deutlich stärker wurden und von Seiten der nationalsozialistischen lokalen Behörden "Baufälligkeit" attestiert wurde, fand aufgrund dieses massiven Drucks schließlich im August 1936 ein Abschiedsgottesdienst in der Synagoge statt. Sie wurde schließlich im Frühjahr 1938 an einen Privatmann verkauft. Daher blieb der Synagogenbau während der Pogromnacht im November 1938 unversehrt, während die verbliebene jüdische Bevölkerung Verhaftung und Erniedrigung ausgesetzt war.

Nach verschiedenen Nutzungen, u.a. auch als Feuerwehrhaus, konnte 1986 das Gebäude umfangreich renoviert und restauriert werden.

Nun befindet es sich in Privatbesitz, doch kann das Erdgeschoss ab Juli 2015 der Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen durch Neustadtgödens wieder zugänglich sein.

Gestaltung und Themen

Für diesen einst sakralen Ort, der viel Verwundungen und Verletzungen, Veränderungen und Umbauten erfahren hat, ist bewusst eine zurückhaltende gestalterische und thematische Ausrichtung gewählt worden.

Für die Synagoge gibt es  - im Gegensatz zu anderen stark zerstörten jüdischen Gotteshäusern - gute, fundierte  Rekonstruktionszeichnungen und sogar historische Außen- und Innenaufnahmen. So ist es möglich, über die Ausstattung und Möblierung der Synagoge zu informieren. Zudem ist ein spezieller Rundgang zur Geschichte der Synagoge und der jüdischen Gemeinde erarbeitet worden; Fächerübergreifende Projektwochen können Schüler und Schülerinnen an die Thematik heranführen.

                           

Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Deportation und Ermordung der letzten jüdischen Einwohner von Neustadtgödens 1941/2. Ein offenes Erinnerungsbuch gedenkt der jüdischen Bürger, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.
 
Da für die Synagoge die Themen des jüdischen Glaubens und der religiösen Praxis, der Einrichtung und Architektur des Gotteshauses im Fokus stehen, ergänzt diese die bereits bestehende bzw. ebenfalls im Aufbau befindlichen Einrichtungen, wie das Gröschlerhaus in Jever, sehr gut. So kann die Synagoge in Neustadtgödens zu einem wichtigen Baustein im Konzept der Erinnerungsorte für den Landkreis Friesland werden.

Das Vorhaben wird in enger Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Oldenburg weiter entwickelt. Zugleich wird eine Kooperation mit den weiterführenden Schulen im Landkreis Friesland und darüber hinaus aufgebaut. Außerdem ist die Synagoge eng in das kulturtouristische Konzept der Gemeinde Sande, des Landkreises Friesland sowie der Oldenburgischen und Ostfriesischen Landschaft zu diesem Themenkomplex eingebunden.

Öffnungszeiten von März bis Oktober 2017:

jeden letzten Sonntag im Monat von 14.00 bis 18.00 Uhr

Internationaler Museumstag am 21. Mai von 14.00 bis 18.00 Uhr

Tag des offenen Denkmals am 10. September von 14.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt frei

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung!

Marlene Gaedicke

19 (Zimmer)
04422/9588-35