Rundgang Herrlichkeit und Gottgefallen entlang der Sehenswürdigkeiten in Neustadtgödens

1. Das Landrichterhaus

1464 wurde Ulrich Cirksena vom Kaiser zum Reichsgrafen von Ostfriesland ernannt. Dennoch gab es in Ostfriesland vom ostfriesischen Grafenhaus unabhängige Gebiete. Die Besitzer dieser so genannten “Herrlichkeiten“ besaßen eine Reihe von Sonderrechten. So verfügten sie über die “niedere” Gerichtsbarkeit, die sie an einen von ihnen eingesetzten Landrichter delegierten. Die Herrlichkeit Gödens unterhielt von ca. 1600 bis 1743 das Landgericht in Neustadtgödens. Seit 1986 befindet sich ein Museum im Landrichterhaus. Das Museum beherbergt eine reizvoll gestaltete Ausstellung zur einmaligen Geschichte von Neustadtgödens.

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2. Die Katholiken

Durch die Heirat des reformierten Freiherren Franz Ico von Frydag zu Gödens mit der Katholikin Margarethe von Westerholt im Jahre 1639 wurde die Herrlichkeit für zwei Generationen katholisch. Diese Verbindung stellte die kirchlichen Verhältnisse auf den Kopf und war zur Zeit des 30jährigen Krieges etwas Unerhörtes. Durch die Intervention der beiden ältesten Söhne beim deutschen Kaiser entstand hier 1692 die erste katholische Missionsstelle im sonst protestantischen Norden. Mit dem Bau einer Kirche im Jahre 1715 wurde auch das erste katholische Gotteshaus in Ostfriesland nach der Reformation errichtet.

3. Die Mennoniten

Durch die tolerante Haltung der Herrschaft Gödens fanden die Anhänger der verfolgten Täuferbewegung hier eine Zufluchtsstätte. Vor allem die holländischen Anhänger der Bewegung, die so genannten Mennoniten (nach Menno Simons) siedelten sich hier an. Nach dem 30jährigen Krieg stellte die Herrlichkeit Gemeinschaftsschutzbriefe aus, die eine erneute Ansiedlung von Mennoniten aus Holland, Emden und Leer zur Folge hatte. Im 17. und 18. Jh. entwickelte sich der Ort daraufhin zur größten Mennonitensiedlung Ostfrieslands. 1741 wurde ihnen der Bau einer eigenen Kirche gestattet.

4. Die Lutheraner

 Mit der Zuwanderung aus dem lutherischen Jeverland, Oldenburg und später auch Ostfriesland stellten die Lutheraner bereits Ende des 17. Jh. über die Hälfte der Bevölkerung in dem zur reformierten Kirche gehörenden Neustadtgödens. 1695 erhielten sie als erste Glaubensgemeinschaft die Genehmigung, eine eigene Kirche zu bauen. Der Kirchenbau verstieß gegen den Augsburger Religionsfrieden und war politisch ein Wagnis. Nur durch diplomatisches Geschick seitens der Herrlichkeit konnte das Eingreifen ausländischer Truppen verhindert werden.

5. Bleiche

 Nach dem 30jährigen Krieg erlangte Neustadtgödens für das zerstörte Ostfriesland als Produktionsort und Umschlagplatz große Bedeutung. Mit einer geschickten Ansiedlungspolitik des Hauses Gödens wurde vor allem das wichtige Handwerk der meist mennonitischen Leinenweber heimisch. Hergestellt wurden feinste Tisch- und Bettdecken und Servietten. Von 1660 - 1675 waren in Neustadtgödens 66 Leinenweber wohnhaft. Mit einer täglichen Webleistung von ca. drei Metern war für das notwendige Bleichen ein enormer Platzbedarf verbunden. Eigens dafür blieben einige Flächen von Baumbewuchs und Bebauung frei. Durch Handelsbeschränkungen unter den Preußen wurde das Gewerbe unrentabel, die Handwerker wanderten ab. Die Bleichen verloren ihren ursprünglichen Sinn.

6. Die Juden

Im Reich erachtete man Juden als recht- und schutzlos. Einzig der Erwerb eines Schutzbriefes sichert ihnen einige Rechte zu. Pro Person und Jahr mussten sie einen Dukaten und eine Gans als Schutzgeld an die Herrlichkeit bezahlen. Dafür durften sie sich frei bewegen, Handel treiben und ihren Gottesdienst frei abhalten. Da ihnen die Ausübung eines Handwerkes generell untersagt war, fanden die Juden vor allem als Schlachter und Viehhändler Beschäftigung. Mitte des 19. Jh. war jeder vierte Bewohner des Ortes jüdischen Glaubens. 1852 wurde auch ihnen der Bau einer Synagoge gestattet.

7. Sielhafen und Waagehaus

 Nach der Eindeichung, die Hebrich von Gödens 1544 veranlasste, musste die Entwässerung des Binnenlandes durch den Bau eines Siels sichergestellt werden. Auf der Seeseite wurde ein Hafen angelegt. Damit hatte die Herrlichkeit einen direkten Zugang zum Meer. Der Bau des Ellenser Damms 1615 durch die Oldenburger Grafen schnitt den Hafen vom Meer ab, ohne allerdings seine Existenz zu gefährden. Erst mit der repressiven Wirtschaftspolitik Preußens ab 1744 verlor der Hafenort immer mehr seine Funktion. Das Waagehaus diente zum Wiegen sämtlicher Waren. Die darauf zu entrichtenden Gebühren waren für die Herren von Gödens eine wichtige Einnahmequelle.

8. Der Deich am Schwarzen Brack

Mit dem Abschluss eines Vergleichs zwischen der Herrlichkeit Gödens und der Gräfin von Ostfriesland wurde 1544 die Voraussetzung für eine große Eindeichungsmaßnahme am Rande des “Schwarzen Bracks” geschaffen. Dabei wurde ein Deich vom Geestrücken in Horsten über das Gebiet von Neustadtgödens gezogen und an das bereits seit 1525 bestehende Teilstück nach Sande angeschlossen. Zu den Bauarbeiten wurden Holländer angeworben, die besten Deichbauer ihrer Zeit. Es entwickelte sich eine planmäßig angelegte Deichsiedlung. Mit der Vollendung des Ellenser Damms 1615 verlor der Deich seine Funktion. Durch seine tiefe Lage konnte das Gebiet vor dem Deich erst in den 1950er Jahren bebaut werden.

9. Die Reformierten

Schon sehr früh im 16. Jh. schloss sich die Herrlichkeit Gödens der Lehre Calvins an. 1558 erließ die Herrschaft ein Edikt über das Verbot der öffentlichen Religionsausübung. Alle Bewohner der Herrlichkeit wurden formell gezwungen, den reformierten Glauben anzunehmen. Amtshandlungen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen wurden gegen Gebühr in der einzigen, reformierten, Kirche in Dykhausen abgehalten. Religionsflüchtlingen gegenüber blieb Gödens jedoch weiterhin tolerant eingestellt. 1715 erhielten die Reformierten in Neustadtgödens die Erlaubnis, ihre eigene Kirche zu bauen. Damit mussten sie nicht mehr den beschwerlichen Weg nach Dykhausen auf sich nehmen.

10. Die Oberahmer Peldemühle

Dieser zweistöckige Galerieholländer mit Windrose und Segelflügeln wurde 1764 auf jeverschen Gebiet errichtet. Die Mühle besitzt zwei Mahlgänge und einen Peldegang. Die Flügel werden mittels einer doppelten Windrose über ein Kegelradgetriebe automatisch der jeweiligen Windrichtung angepasst. 1966 wurde der Betrieb eingestellt. Zur Mühle gehört ein Kräutergarten mit über 80 Heil- und Würzkräutern.

Öffnungszeiten:

Mittwoch von 18.00 bis 20.00 Uhr,

Sonntag von 11.00 bis 16.00 Uhr sowie nach Vereinbarung (sprechen Sie uns gere an!)

11. Die Wedelfelder Wasserschöpfmühle

Die Mühle wurde 1844 errichtet und in Betrieb genommen. Der Erdholländer mit Steert ist die einzige noch erhaltene voll funktionsfähige Wasserschöpfmühle im Landkreis Friesland. Nach dem Bau von Schöpfwerken stellte die Mühle 1962 ihren Betrieb ein. Seit 1980 erhält der Heimatverein Gödens-Sande e.V. die Mühle, der sie funktionsfähig wieder herstellte und zu Demonstrationszwecken für Besucher betreibt.

Öffnungszeiten:

Samstag von 14.00 bis 17.00 Uhr sowie nach Vereinbarung (sprechen Sie uns gerne an!)

Unser Flyer zum Rundang durch den Ort!

Bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung!

Marlene Gaedicke

19 (Zimmer)
04422/9588-35