Geschichte des Ortes Neustadtgödens

1500 - 1599

1511
Durch die Antoniusflut erlangte der Jadebusen seine größte Ausdehnung.

1517
Die Häuptlinge von Gödens verloren durch die Antoniusflut und der „sächsischen Fehde“ ihre Burg in Altgödens. Häuptling Hicko von Oldersum ließ daraufhin eine neue Wasserburg in Gödens bauen.

Ca. 1530
Hebrich von Gödens bestimmte den Calvinismus als herrschende Religion in der Herrlichkeit Gödens.

1537
Die ersten Glaubensflüchtlinge der Täuferbewegung wurden in Gödens aufgenommen. Unter ihnen auch Hinrich Krechting und Wolter Schemering, beide Angehörige des täuferischen Königshofs von Münster. Der Jurist Schemering wurde der erste Landrichter der Herrlichkeit.

1544
Eindeichungsmaßnahmen der Herrlichkeit Gödens am „Schwarzen Brack“ mit der Errichtung eines Siels, der Keimzelle Neustadtgödens.

1550 
Ein großer Sielhafen wurde im Außengroden vor Neustadtgödens errichtet. Es entwickelten sich Handelsbeziehungen nach Emden, Amsterdam, Bremen, Hamburg und bis in die Ostsee hinein.

1572
Häuptling Johann von Oldenbokum gründete die erste reformierte Schule in Neustadtgödens.

1595
Durch die Errichtung des Ellenser Damms durch Graf Johann VII. von Oldenburg wurde Neustadtgödens von der Nordsee abgeschnitten. Nur durch Verhandlungen vor dem Reichskammergericht konnten der oldenburgischen Seite Zugeständnisse abgerungen werden.

1600 - 1699

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Landrichterhaus in Neustadtgödens erbaut.
 
1618
Durch Ausgleichszahlungen an die Mansfelder Truppen verschonten diese Neustadtgödens während des Dreißigjährigen Krieges weitgehend.
 
1639
Franz Ico von Frydag zu Gödens heiratete die katholische Margarethe Elisabeth von Westerholt, der er die Ausübung ihres Glaubens im Schloss gestattete.
 
1648
Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einer verstärkten Ansiedlung von mennonitischen Leinenweber aus Holland, Leer und Emden.
 
1660
Nachdem sich auch die ersten Juden angesiedelt hatten, erließ die Herrlichkeit Gödens für beide Gemeinschaften Schutzbriefe.
 
1669
Ein Brand zerstörte zu großen Teilen das Schloss in Gödens, das zwei Jahre später im niederländischen Renaissancestil wieder errichtet wurde.
 
1692
Der katholische Franz Heinrich von Frydag setzte den Jesuitenpater Petrus Fleurque in Neustadtgödens ein, der hier die erste katholische Mission im sonst protestantischen Norden einrichtete.
 
1695
Trotz Verstoßes gegen den Augsburger Religionsfrieden von 1555 erlaubten die Herren von Gödens den Lutheranern, als größter Glaubensgemeinschaft in Neustadtgödens, ihr eigenes Gotteshaus zu bauen.

1700 - 1799

1708
Burchard Philipp von Frydag erteilt der jüdischen Gemeinde von Neustadtgödens die Erlaubnis, ihre Toten auf einen eigenen Friedhof, der an der Chaussee von Neustadtgödens nach Schloss Gödens liegt, zu beerdigen.

1714
Die Reformierten erhielten als zweite Glaubensgemeinschaft ihr eigenes Gotteshaus.

1715
Mit der katholischen Kirche wurde das erste nachreformatorische Gotteshaus dieser Konfession auf der ostfriesischen Halbinsel errichtet.

1717
Die Weihnachtsflut traf den Ort hart, ohne dass Menschen ihr Leben verloren.

1741
Mit der Errichtung der Mennonitenkirche hatten nun alle vier christlichen Konfessionen ihren eigenen Kirchenbau.

1743
Das Landgericht verlor seinen Sitz in Neustadtgödens und wurde auf das Schloss verlegt.

1744
Durch den Tod des kinderlosen Carl Edzard von Ostfriesland fiel das Fürstentum an Preußen. Die repressive Handelspolitik der Preußen führte zum wirtschaftlichen Niedergang vor allem der Leinenweberei in Neustadtgödens.

1746
Die Herrlichkeit Gödens wurde durch Einheirat der von Wedels evangelisch-lutherisch.

1782
Gegen die jüdische Bevölkerung von Neustadtgödens fand ein Pogrom statt. Es ist im Ort das einzige bekannte Beispiel von tätlichen Feindseligkeiten gegen Juden vor dem Nationalsozialismus.

Neuere Zeit

1839
Graf von Wedel übergab das Landgericht in die Obhut der hannoverschen Regierung.

1850
Die Anzahl der jüdischen Bevölkerung in Neustadtgödens war auf ca. 25 Prozent angestiegen.

1852
Mit dem Bau der Synagoge hatten auch die Juden ihren eigenes repräsentatives Gotteshaus.

1869
Gründung von Wilhelmshaven. Abwanderung von Arbeitsplätzen in die nahe gelegene Stadt.

1893
Mit dem Niedergang des Leinenweberhandwerks verlor die Mennoniten-gemeinde ihre Mitglieder. 1893 galt sie in Neustadtgödens als erloschen.

1938

Wegen Mitgliedermangel wurde die reformierte Kirche geschlossen.

1940/41
Die letzten acht in Neustadtgödens verbliebenen Juden wurden verhaftet. Einer von ihnen überlebte das Vernichtungslager und kehrte zurück.

1972
Im Rahmen der Gebietsreform wurde Gödens mit der oldenburgischen Gemeinde Sande vereint und gehört seitdem zum Landkreis Friesland.

1986

Einrichtung eines Museum im Landrichterhaus.

Lexikon

Augsburger Religionsfrieden
Einigung zwischen Katholiken und Protestanten auf dem Reichstag in Augsburg im Jahre 1555. Die Friedenspflicht betraf die Reichsstände, die zwar nach dem Grundsatz Cuius regio, eius religio ihren Untertanen eine Religion aufzwingen konnten, doch den Gewissensnöten der Menschen einer anderen Konfession das beneficium emigrandi, das Recht auf Auswanderung, gewähren mussten.
 
Bleiche
Wiese ohne Baumbestand, auf der die Leinenweber ihre Leinen auslegen und bleichen konnten.
 
Calvinismus
Eine theologische Bewegung, die auf der Reformation und insbesondere den Lehren von Johannes Calvin beruht. Sie zeichnet sich durch eine schlichte Kirchenausstattung und einer spezifischen Arbeits- und Wirtschaftsethik aus.
 
Deich
Erddamm zum Schutz niedrig gelegener Ländereien vor Überflutung.
 
Erdholländer
Ebenerdig gebaute Holländermühle, deren Flügelmechanik vom Erdboden zu bedienen ist.
 
Galerieholländer
Hoch gebaute Holländermühle, deren Flügelmechanik von einer umlaufenden Galerie zu bedienen ist.
 
Gerichtsbarkeit
Historisch gesehen das Privileg, Gericht zu halten. Dabei wurde unterschieden zwischen hohe und niedere Gerichtsbarkeit der weltlichen Gewalten und die kirchliche Gerichtsbarkeit, die nach dem kanonischen Recht urteilte.
 
Groden
Durch Meeressedimentation entstandenes und eingedeichtes Land. Wird auch Polder oder Koog genannt.
 
Häuptlinge
Die Häuptlinge und ihre Herrschaft entwickelten sich im 14. Jahrhundert aus gewählten Richtern, deren Amt schließlich dynastisch und den Adeligen gleichgesetzt wurde.
 
Herrlichkeit
Ausbau des Herrschaftsbereiches einzelner Häuptlinge zu kleinen Landesherrschaften, die im Gegensatz zu den reichsunmittelbaren Territorien standen
 Ostfriesland
Gebiet der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund und der Stadt Emden. 1464 Zusammenschluss einzelner Herrschaften unter Ulrich I Cirksena, der vom deutschen Kaiser zum Reichsgrafen ernannt wurde.
 
Peldegang
Vorgang, bei dem die Gerste geschält, nicht gemahlen, wird, um daraus Graupen zu gewinnen. Dazu wird ein einzelner Stein benutzt, der von einem Lochblech umgeben ist.
 
Reformation
In Deutschland vor allem durch die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther ausgehende Erneuerungsbewegung im Christentum. In der Schweiz getragen von Johannes Calvin und Ulrich Zwingli.
 
Sächsische Fehde
(1514-1517) Eine Auseinandersetzung zwischen dem ostfriesischen Grafen Edzard I. und Georg von Sachsen um die Vorherrschaft in Ostfriesland.
 
Schöpfwerk
Durch Schöpfwerke wird Wasser von einem unteren auf ein oberes Niveau gehoben, danach fließt es selbständig über natürliches Gefälle ab.
 
Schwarzes Brack
Westlicher Teil des Jadebusens, der durch die Sturmfluten des ausgehenden Mittelalters entstanden ist.
 
Siel
Wasserdurchlass im Deich zur Entwässerung des Binnenlandes. Orte, die mit –siel enden, weisen auf einen (ehemaligen) Hafenort hin.
 
Sielhafen
Seit dem 15. Jahrhundert vorherrschender Hafentyp an der Nordsee in Verbindung mit einem Siel.
 
Steert
Von der Rückseite der Mühlenkappe zur Galerie oder bis zum Erdboden reichendes System von Balken. Der eigentliche Steert dient zum Drehen der Kappe in den Wind.
 
Täuferbewegung
Christlich reformatorische Bewegung, die z. B. die Kindstaufe ablehnten. Daraus entwickelte sich in den Niederlanden die Mennoniten.