Museum im Landrichterhaus Die Dauerausstellung

Die Ausstellung im Landrichterhaus versteht sich als eine Dokumentation der einzigartigen Religionsgeschichte Neustadtgödens. Ausgehend von der Religion werden zudem die Themenbereiche Ortsgeschichte, Rechtsprechung, Herrschaft, Handel und Handwerk thematisiert. Die Einzigartigkeit des Ortes zeigt sich vor allem in den fünf erhaltenen Glaubenshäuser, die hier auf engstem Raum in einem intakten Dorfensemble zu finden sind. Das Museum sieht sich als integrativer Bestandteil eines Rundganges durch den Ort. Dabei wird man schnell feststellen, dass sich hier spannende, ja dramatische Geschichten ereigneten.

Im Mittelpunkt der Betrachtung im Museum steht die religiöse Toleranz der Herren zu Gödens. Durch ihre liberale Religionspolitik konnten sich in dem kleinen Hafenort auch Religionsgemeinschaften ansiedeln, die anderswo verfolgt wurden. Schon die Ortsgründung ist eng verknüpft mit mennonitischen Deichbauarbeitern aus Holland, die in ihrer Heimat nicht mehr sicher waren. Ab 1695 erhielten die Religionsgemeinschaften nach und nach die Erlaubnis, ihre eigenen Gotteshäuser zu bauen. Durch religiöse Toleranz als auch durch wirtschaftliche Überlegungen schuf man hier einen prosperierenden Handelsort am Rande Ostrieslands.

Trotz der religiösen und konfessionellen Unterschiede im Ort, lebten die Menschen in Neustadtgödens meist friedlich miteinander. Oftmals feierte das gesamte Dorf wichtige Ereignisse der einzelnen Religionsgemeinschaften zusammen. Die fünf Glaubens- und Konfessionsrichtungen brachten auch ihre eigenen Schulen hervor. So findet sich einiges über Verbindendes und Trennendes der einzelnen Religionen und Konfessionen in Neustadtgödens.

Wie der Name schon verrät, war in diesem Gebäude von Anfang des 17. Jahrhunderts bis 1743 ein Gericht untergebracht. Die Herren von Gödens übten hier über ihre Landrichter die niedere Gerichtsbarkeit aus.
Der ehemalige Gerichtssaal wird heute nicht primär als Ausstellungsraum genutzt, sondern dient vor allem als Trau- und Sitzungszimmer. Sehenswert sind die 20 von ursprünglich 32 erhalten gebliebenen Stammwappen aus der Kirche zu Dykhausen. Sie dienten Carl Philipp von Frydag im Jahre 1661 als Nachweis seiner adligen Herkunft.

In dem ehemaligen Arbeitszimmer des Land-richters wird die Rechtsgeschichte der Herrlichkeit Gödens aufgearbeitet. Interessant ist dabei das Verhältnis zum allgemeinen ostfriesischen Recht. Basierend auf dem friesischen Recht der freien Richterwahl, ergaben sich einige Besonderheiten, die sich bis zum Ende der Herrlichkeiten im Jahre 1744 in Ostfriesland halten konnten.

Seinen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr Neustadtgödens vor allem durch die Leinenweberei. Diese wurde vor allem von mennonitischen Glaubensflüchtlingen aus Holland betrieben. Sie spezialisierten sich auf die Herstellung von Servietten, Tischdecken und Bettzeug des gehobenen Anspruchs. Teilweise übten im Ort mehr als 60 Leinenweber dieses Handwerk aus. Noch immer zeugen die Bleichwiesen im Ortskern von dieser Zeit.